8 gute Gründe für eine berufliche Neuorientierung während der Elternzeit

8 gute Gründe für eine berufliche Neuorientierung während der Elternzeit

Zugegeben, wenn das erste Kind geboren wird, hat man erst einmal wirklich anderes zu tun, als sich mit der beruflichen Zukunft zu befassen. Das ganze Leben wird ja auf den Kopf gestellt. Mich persönlich haben zwei Dinge echt herausgefordert: die Unsicherheit, ob ich als Mutter gut genug bin und die ständige Sorge um mein Baby. Zum Glück wurde das nach einigen Monaten besser, auch wenn ich natürlich bis heute an manchen Tagen nicht zufrieden mit mit mir als Mutter bin und die Sorgen wohl nie aufhören. Aber irgendwann hatte ich mich soweit an die Situation gewöhnt und auch wieder halbwegs genügend Schlaf bekommen, so dass ich mir Gedanken über meine berufliche Zukunft machen konnte.

Vielleicht stellst du auch gerade fest, dass es manchmal ganz gut ist, eine Situation mit mehr Abstand zu betrachten. Im täglichen Job-Hamsterrad findet man nicht unbedingt die Zeit, sich das große Ganze anzusehen und zu überlegen, wie man den Rest seines Lebens gestalten will. In der Elternzeit dagegen habe ich schnell gemerkt, welche Aspekte meines Jobs ich total vermisse (meine Kollegen, das Gefühl von Produktivität und alles, was im direkten Kontakt mit anderen Menschen stattgefunden hat) und welche nicht (die Anhäufung administrativer statt strategischer Aufgaben). Ich habe mich total gefreut, nach der ersten Elternzeit wieder ins Büro zurück zu kehren, aber auf manche Aufgaben hatte ich so gar keine Lust.

Ich habe also überlegt, wie ich meinen Job dauerhaft so gestalten kann, dass ich mehr von dem machen kann, was mir Spaß macht und worin ich gut bin. Ich habe eine mehrjährige Coaching-Ausbildung begonnen, durch die ich nun mehr im direkten Kontakt mit Menschen arbeiten darf und weniger Zeit mit arbeitsrechtlichen Dingen wie Verträgen, Zeugnissen etc. verbringe. Für mich eine gute Entscheidung, die auch in der zweiten Elternzeit wunderbar in mein Leben passt!

Was macht aber nun die Elternzeit so perfekt für die berufliche Neuorientierung?

  1. Der Abstand vom bisherigen Job, der es einem ermöglicht, in sich hineinzuhorchen, ob einem die Aufgaben wirklich noch Spaß machen.
  2. Der Umstand, dass man gerade ohnehin in Veränderungsprozessen im privaten Umfeld steckt und sich selbst und seine Werte ganz neu kennenlernt.
  3. Die eigene Zeit wird durch die Geburt eines Kindes kostbarer, das bringt einen schneller an die echten Wünsche, Träume und Sehnsüchte und deckt auf, welche Aspekte einen eigentlich nur nerven.
  4. Bei vielen Müttern trifft die Elternzeit auf einen Zeitpunkt, wo man schon einige Jahre im Job ist und ohnehin etwas “die Luft raus ist”. Bei anderen ist klar, dass der Job nach der Elternzeit ohnehin nicht mehr da ist.
  5. Die Notwendigkeit, den Job an Kinderbetreuungszeiten anzupassen, zwingt oftmals zu Entscheidungen. Das kann eine Riesenchance sein für Menschen, die sich sonst eher schwer tun, Veränderungen aktiv einzuleiten!
  6. Die Möglichkeit, ohne finanzielles Zusatz-Risiko oder Bruch im Lebenslauf neue Dinge auszuprobieren, ist einmalig im Berufsleben der meisten von uns.
  7. Weiterbildungen sind oft auch während der Elternzeit wunderbar zu bewältigen und bereiten so auf den beruflichen Neustart vor, ohne zusätzliche Zeit zu verlieren.
  8. In der Elternzeit lernen wir oft ganz andere Menschen kennen als im vorherigen Leben. Diese neuen Perspektiven können Mut machen für eine Veränderung.

Natürlich passt der berufliche Umstieg trotzdem nicht für alle in die Elternzeit. Für Alleinerziehende ist es besonders schwer, sich freie Zeiten für Weiterbildungen oder ähnliches zu organisieren. Wenn der finanzielle Druck sehr hoch ist, kann sich manche Mutter eine längere Pause vom Job gar nicht erlauben. Und wer ein besonders forderndes Kind hat, der lächelt wahrscheinlich nur müde, wenn er sich jetzt auch noch Gedanken über einen neuen Job machen soll.

Wenn dir aber der Gedanke an eine Neuorientierung im Kopf herum schwirrt und du bisher dachtest, du müsstest bis zum Ende der Elternzeit warten, bis du dir da konkrete Gedanken drüber machen kannst, möchte ich dich ermutigen, schon jetzt aktiv zu werden. Denn einen Plan kannst du auch schon früher entwickeln und dann gezielte Vorbereitungen zum Erreichen deines Ziels treffen. Wenn du weißt, wo du hin willst, kannst du Veranstaltungen besuchen, die zu deinem Ziel passen. Du kannst passende Bücher lesen oder Podcasts hören (aktuell mein bevorzugter Weg des Lernens, geht super beim Einschlaf-Begleiten). Oder schon erste kleine Online-Seminare besuchen. Du kannst dich mit Leuten unterhalten, die deinen Wunsch-Job schon ausüben oder Erfahrungsberichte in den sozialen Medien verfolgen.

Es gibt viele Wege, sich auf ein neues Leben einzustimmen. Und irgendwann wirst du merken, dass der “alte” Job in deinen Gedanken kaum noch eine Rolle spielt!