Als Mutter selbstständig machen? Was dafür und was dagegen spricht

Das Hauptthema in meinen Coachings ist berufliche Unzufriedenheit. Viele Mütter wünschen sich mehr Sinn, Spaß und Selbstverwirklichung im Job. Bei der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive stellt sich dabei für viele früher oder später die Frage: finde ich das, was ich mir wünsche, in einer Festanstellung? Oder sollte ich mich vielleicht doch lieber selbstständig machen?

Was dann fast immer passiert: Glaubenssätze und Vorurteile zum Thema Selbstständigkeit werden aktiv. Die können sowohl positiv sein („Selbstständigkeit bedeutet Freiheit!“) als auch negativ („Großes Risiko!“). Wie wir über die Möglichkeiten einer Gründung denken, hat viel mit unseren Erfahrungen und Prägungen zu tun, z.B. der Tatsache, ob wir Menschen kennen, die selbstständig sind und wie es diesen Menschen mit ihrer Berufstätigkeit geht.

In diesem Beitrag möchte ich dir meine Sicht auf das Thema „Selbstständigkeit“ zeigen. Welche Vor- oder Nachteile könnte eine Gründung für dich haben? Welche Eigenschaften braucht man als Unternehmerin? Und was können erste Schritte sein? Legen wir los:

Gründe, die für eine Selbstständigkeit sprechen

Warum solltest du überhaupt eine Selbstständigkeit in Erwägung ziehen? Klar: weil es einige Vorteile gibt, die gerade für Mütter extrem relevant sind. Denn was die meisten Mütter vereint, ist der Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit und nach flexiblem Arbeiten. Beides kann die Selbstständigkeit erfüllen.

  1. Eine Selbstständigkeit ist der einzige Weg aus dem Zeit-gegen-Geld-Dilemma. Als Angestellte wirst du in der Regel nach Zeit bezahlt und höchstens anteilig nach deinen Ergebnissen. In deinem eigenen Unternehmen geht es ausschließlich um deine Ergebnisse – unabhängig von der Zeit, die du investiert hast. Ein großer Vorteil für alle, die langfristig in Teilzeit arbeiten möchten und dennoch ein höheres oder sogar sehr hohes Einkommen haben wollen.
  2. Du kannst dir deine Zeit frei einteilen. Ich arbeite zum Beispiel in den Sommerferien fast gar nicht. Andere Mütter arbeiten nur vormittags oder hauptsächlich am Wochenende. Das Kind ist krank oder die Kita muss mal wieder wegen Personalmangel schließen? Als Selbstständige musst du dich deshalb vor niemandem rechtfertigen. Wenn die Kinder größer werden, kannst du mehr Zeit in dein Business investieren. Wenn sie dich eine Zeit lang stärker brauchen, kannst du wieder etwas weniger arbeiten. Diese Freiheit hast du in einem Angestelltenverhältnis in der Regel nicht.
  3. Du bist nicht auf das Wohlwollen eines Arbeitgebers angewiesen, der dich einstellt. Und du bist nicht mehr dem Risiko ausgesetzt, einfach gekündigt werden zu können.
  4. Dank der Möglichkeiten, im Internet Geld zu verdienen, kannst du nahezu ohne Investition starten. Du kommst natürlich schneller voran, wenn du ein bisschen Geld investieren kannst. Aber es geht auch ohne. 
  5. In meinen Augen der größte Vorteil: du kannst arbeiten, an was und wie du willst. Wenn du den Wunsch nach einer sinnvollen Betätigung hast und etwas in der Welt bewegen möchtetst, bietet dir eine Selbstständigkeit den größten Freiraum dafür. Wie und mit wem du deine Ziele umsetzt bleibt ebenfalls dir überlassen – anstrengende Chefs und streitende KollegInnen gehören damit der Vergangenheit an.
  6. Du lernst unfassbar viel. Ich hätte nie gedacht, welche Entwicklungskurve allein durch die Gründung entsteht! Die Vielfalt der Themen, die Erweiterung des Horizonts und das persönliche Wachstum sind für mich eindeutig starke Argumente für die Selbstständigkeit.

Gründe, die gegen eine Selbstständigkeit sprechen

Eine Selbstständigkeit ist also was Tolles! Natürlich gibt es aber auch Gründe, die dagegen sprechen. Manche Gegenargumente lassen sich durch die Wahl des richtigen Unternehmenskonzepts aus der Welt schaffen. Bei anderen gelingt das nicht. Dann muss jede Frau individuell abwägen, ob sie trotz dieser negativen Seiten den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchte:

  1. Meistens musst du erst Zeit investieren, bevor du Geld verdienst. Den wenigsten Gründerinnen gelingt es, vom Start weg ein gutes Einkommen zu erzielen. Du musst also in Vorleistung gehen mit deinem zeitlichen Einsatz. Und das kann und will nicht jede. (Ausnahme: wenn du arbeitslos bist und einen Anspruch auf Gründungszuschuss hast, kannst du auch in der Startphase mit einem festen Einkommen rechnen.)
  2. Der Spruch „selbst & ständig“ bringt gut auf den Punkt, in welche Falle viele Selbstständige tappen. Wenn du bei der Gestaltung deines Geschäftsmodells nicht aufpasst, hängt ewig alles einzig und allein von deinem Zeiteinsatz ab. Dann hast du im Vergleich zu einer Angestellten nichts gewonnen, ganz im Gegenteil! Du solltest also von Anfang an darauf achten, nicht nur deine Zeit zu verkaufen, sondern auch andere Produkte.
  3. Die Annehmlichkeiten der Festanstellung fallen weg: bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (sofern du diese Leistung nicht extra versicherst), Kinderkrankentage usw. Außerdem musst du die Kranken- und Rentenversicherung komplett selbst zahlen, wo sonst ein Arbeitgeber die Hälfte übernehmen würde.
  4. Dein Einkommen wird vermutlich schwanken und ist damit vor allem am Anfang der Selbstständigkeit weniger planbar. Das ist für viele ein großes Problem, gerade wenn keine finanziellen Reserven vorhanden sind, mit denen man auch mal einige Wochen einer finanziellen Durststrecke überstehen kann.
  5. Du musst dich mit vielen Themen auseinandersetzen, die nicht direkt mit deinem Wunsch-Thema zu tun haben. Zum Beispiel Technik, Buchhaltung, Steuern etc. Klar kannst du auch einiges davon auslagern. Aber nicht alles. Denn als Unternehmerin solltest du über alle Vorgänge in deinem Business zumindest grob Bescheid wissen.

Welche Fähigkeiten braucht man als Gründerin?

Je nach Geschäftsmodell brauchst du ganz verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten. Es ist nun mal ein Unterschied, ob du Handarbeitsprodukte bei Amazon verkaufen, eine McDonalds Filiale führen oder online Menschen beraten möchtest. 

Was aus meiner Sicht immer notwendig ist: eine hohe Eigenmotivation und gute Selbstführung. Wenn du jemand bist, der lieber nach Anweisung arbeitet, ist eine Selbstständigkeit eher nichts für dich. Du musst in der Lage sein, deinen Tag zu planen und mit Herausforderungen umgehen können. Denn gerade am Anfang wirst du immer wieder auf neue Dinge stoßen, die du bisher noch nicht bedacht hast. Deshalb ist auch eine hohe Lernbereitschaft und ein gewisses Maß an Flexibilität sehr hilfreich. Es wird einfach nicht immer alles so laufen, wie du es dir wünscht. Da gilt es dann, neue Lösungen zu entwickeln, statt den Kopf in den Sand zu stecken.

Was dagegen kein Problem ist: wenn du introvertiert bist. Das sind viele erfolgreiche UnternehmerInnen! Viele Menschen glauben, als Selbstständige müsste man aktiv Kunden gewinnen, Menschen ansprechen usw. Das ist – je nach Geschäftsmodell – aber nicht unbedingt nötig. Wenn du zum Beispiel Produkte bei Amazon verkaufst, wirst du vermutlich niemals persönlichen Kundenkontakt haben.

Tipps zum Start

Wenn du das Thema „Selbstständigkeit“ interessant findest, solltest du zuerst überlegen, welche Art der Gründung für dich infrage kommt. Möchtest du online arbeiten (das ist häufig ein guter Anfang) oder vor Ort einen Laden eröffnen? Möchtest du Produkte verkaufen oder Dienstleistungen? Wer könnte deine Zielgruppe sein?

Wenn du keine Lust hast, ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln, kannst du auch bestehende Konzepte übernehmen:

Der wichtigste Tipp zum Start: hol dir frühzeitig Hilfe! Geh zur Gründungsberatung deiner Stadt und lass dich kostenlos beraten. Hier bekommst du Unterstützung bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells, bei der Beantragung von Fördergeldern wie z.B. dem Gründungszuschuss und realistische Einschätzungen deiner Marktchancen. Hier kannst du auch hingehen, wenn du nur eine vage Idee hast oder dir überhaupt noch nicht sicher bist, ob eine Selbstständigkeit zu dir passt.

Wenn du dich dann irgendwann tatsächlich FÜR eine Gründung entschieden hast, helfen dir Netzwerke für Gründerinnen weiter. Da gibt es auch tolle Gruppen speziell für selbstständige Mütter, da wirst du z.B. bei Facebook schnell fündig. Mein Rat dazu: tritt nur einer oder maximal zwei Gruppen bei, denn in diesen Gruppen wirst du mit Infos bombardiert (die dir am Anfang noch nichts sagen und dich eher verunsichern) und verlierst schnell den Überblick.

Meine Erfahrung mit der Gründung

Eigentlich wollte ich mich nie selbstständig machen. Ich hatte einen Haufen Vorurteile gegenüber der Selbstständigkeit, unter anderem weil meine Eltern freiberuflich arbeiten und ich das nie als erstrebenswert empfunden habe. Der Wunsch, anders zu arbeiten als bisher, hat mich aber letztlich doch überzeugt. Ich wollte mehr Sinn, mehr Freiheit, mehr Verantwortung und mehr Spaß in meiner Arbeit. Und ich wollte mir aussuchen können, mit welchen Menschen ich künftig zusammenarbeite.

Der Weg beim Aufbau meines Unternehmens war und ist nicht immer einfach und ich habe auch definitiv einige Fehler gemacht. Zum Beispiel habe ich in ein teures Business-Programm investiert, das mir nicht ansatzweise so viel gebracht hat wie erhofft. Manch anderes lief dafür von Anfang an super – zum Beispiel hatte ich bisher immer nur tolle Kundinnen! Ärger mit Kundinnen kenne ich daher zum Glück gar nicht. Aber ich bin sicher, dass auch das irgendwann kommt.

Ich bin trotz aller Herausforderungen extrem glücklich mit meiner Selbstständigkeit! Denn ich genieße es sehr, meinen eigenen Überzeugungen folgen zu können und für mich und meine Kundinnen arbeiten zu können, anstatt für ein fremdes Unternehmen. Nicht zuletzt ist auch die Flexibilität meines Online-Unternehmens ein riesiger Vorteil für mich als Mutter von zwei kleinen Kindern. Da ich zum Arbeiten mein Haus nicht verlassen muss, kann ich die Familie und meinen Job sehr gut vereinbaren.

Fazit

Egal, was BeraterInnen dir erzählen: eine erfolgreiche Selbstständigkeit baut sich nicht über Nacht auf! Es kostet Zeit, Mühe und Energie, ein Unternehmen zu gründen. Dafür ist es dann deins und du kannst nie mehr gekündigt werden! Und: es ist ein ganz anderes Gefühl, für sich selbst zu arbeiten als für jemand anderes. Man ist automatisch ganz anders involviert. Das kann toll sein oder auch anstrengend. Wie immer gibt es also keine klare Empfehlung, die für jeden Menschen zutrifft.

Wenn dich das Thema interessiert, möchte ich dich ermutigen: Frauen gründen zwar (leider) viel seltener als Männer, aber sie sind erfolgreicher! Sie benötigen weniger Kapital zur Gründung, ihre Unternehmen bleiben länger bestehen und sie erwirtschaften pro investiertem Euro den höheren Gewinn. Also nur Mut!

Hast du auch schon mal über eine Selbstständigkeit nachgedacht? Was sind deine Gründe dafür oder dagegen? Schreib in die Kommentare ⬇️

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Nadine

    Hallo Anke,
    danke für den griffigen Beitrag. Finde hier alle wesentlichen Punkte kompakt auf den Punkt gebracht. Auch die konkreten Ideen für künftige Gründerinnen sind hilfreich.
    Habe noch nicht ernsthaft über Selbstständigkeit nachgedacht. Wie sicher viele Frauen habe ich den Anspruch, etwas originäres anzubieten, und das macht es nicht einfacher. Der Aspekt ’selbst und ständig‘ schreckt mich eher ab trotz der flexiblen Vorteile, die ich als Mama daraus ziehen kann. Vielleicht muss das Thema noch ‚wachsen‘ ;-).

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