Darf ein „Traumjob“ schlecht bezahlt sein?

Wenn ich mich im Netz so umschaue, was einen Traumjob eigentlich ausmacht, spielt das Thema Geld erstaunlicherweise selten eine Rolle. Da geht es meist nur um den Aspekt der Selbstverwirklichung, von der ich ja auch ein großer Fan bin. Dennoch: für mich gehört zu einem Traumjob zwingend eine gute oder zumindest faire Bezahlung dazu! Das heißt nicht, dass jeder schlecht bezahlte Job sofort ein mieser Job ist. Aber er kann eben auch kein Traumjob sein.

Auch die Bezahlung macht aus normalen Jobs erstklassige „Traumjobs“!

In meinen Coachings und Kursen beschäftigen wir uns immer wieder mit den Werten, die eine Person für ihr Leben hat. Gerechtigkeit oder Fairness gehören eigentlich immer dazu. Komischerweise finden aber selbst die Frauen, denen diese Werte besonders wichtig sind, eine schlechte (=unfaire) Bezahlung für sich selbst in Ordnung. Warum ist das so?

Grund 1: Sie bemerken gar nicht, dass sie schlecht bezahlt werden.

Manche Frauen haben sich einfach noch nie Gedanken über ihr Gehalt gemacht. Sie haben akzeptiert, was ihnen angeboten wurde und nie darüber nachgedacht, ob die Höhe ihres Einkommens nun gerechtfertigt ist oder nicht. Meistens haben sie auch noch nie mehr Gehalt verlangt oder im Vorstellungsgespräch aktiv verhandelt. Für sie ist ihr Gehalt einfach eine von außen bestimmte Größe, die sie ohnehin nicht beeinflussen können.

In Deutschland wird zudem generell sehr wenig über das eigene Einkommen gesprochen, dadurch fehlen auch Vergleiche und es ist viel schwieriger, mitzukriegen, dass man unfair behandelt wird.

Grund 2: Sie zweifeln an sich und ihren Fähigkeiten.

Manche Frauen sind extrem kritisch mit sich selbst. Viel kritischer, als sie es jemals einem anderen Menschen auf dieser Welt gegenüber wären! Sie sehen jeden kleinen Fehler, den sie bei der Arbeit machen, jedes Defizit, dass sie im Vergleich zu anderen haben könnten. Und finden es deshalb total in Ordnung, nicht gut bezahlt zu werden. Schließlich leisten sie ja keine perfekte Arbeit.

Wenn ich an dieser Stelle nachhake, was ihre Arbeit denn wert wäre, wenn sie perfekt wäre, wissen sie oft keine Antwort. Sie haben einfach das Gefühl, sie wären nicht mehr Gehalt wert, als sie aktuell bekommen. Eigentlich haben sie fast ein schlechtes Gewissen, überhaupt Geld anzunehmen für die Arbeit, die sie leisten. Denn diese Arbeit ist in ihren Augen „ja nichts Besonderes“ und sie sind im Grunde genommen einfach froh, dass ihnen überhaupt jemand einen Job gibt.

Grund 3: Sie haben Spaß an ihrer Arbeit.

Manche Menschen glauben, wenn ihnen der Job Spaß macht, wäre die Bezahlung egal. Denn schließlich fühlt sich die Arbeit gar nicht wie Arbeit an, warum sollte sie dann besser entlohnt werden? Hier frage ich gerne nach, ob sie mit 200€ monatlich weniger immer noch so denken würden. Oder mit 500€ weniger. Wo ist die Grenze, bei der es sich nicht mehr richtig anfühlt? Oft zeigt sich, dass es dafür keine klare Vorstellung gibt. Das finde ich auch nicht verwunderlich, denn Geld ist nun einmal eine abstrakte Größe und kein Wert an sich.

Diese Frauen sind oft dankbar, dass sie diesen tollen Job machen dürfen. Das ist eine großartige Einstellung und ich freue mich über jede, die Spaß und Freude an ihrer Arbeit hat! Man ist aber nicht automatisch undankbar, wenn man trotzdem gerne gut bezahlt werden möchte. Denn das Gehalt sollte sich nach der Leistung richten und nicht danach, wie leicht oder schwer es jemandem fällt, diese Leistung zu erbringen.

Warum miese Bezahlung ein Problem ist

Jetzt könnte man ja meinen, dass die unfaire Bezahlung egal ist, solange sie niemanden stört. Meistens ist das aber zu kurz gedacht, denn eine niedriges Gehalt führt zu Abhängigkeiten – sei es vom Partner oder vom Staat. Denn selbst wenn es heute gerade so zum Leben reicht, wird man vermutlich spätestens in der Rente auf Unterstützung angewiesen sein.

Wenn einer Person ihre schlechte Bezahlung egal ist und sie nicht durch ein Erbe oder Ähnliches ein großes Vermögen hat, hat sich dieser Mensch vermutlich noch nie ausführlich mit seinen Finanzen beschäftigt. Denn die Statistiken sind erschreckend: aktuell (2018) bekommt eine Frau im Durchschnitt (!) 700€ Rente. Ich persönlich finde die Vorstellung, etwa 25 Rentenjahre mit 700€ im Monat auskommen zu müssen, ziemlich deprimierend.

Mein Partner verdient sehr gut, da ist es doch egal, was ich verdiene!

Das stimmt leider nur, solange man verheiratet ist oder sich für den Fall der Trennung anders abgesichert hat. Denn der gute Verdienst und später die gute Rente des Partners nützen einem nur, solange man gemeinsam lebt. Wenn ein Paar sich trennt, wenn die Frau 55 Jahre alt ist, wird sie es schwer haben, ab dann ihren Verdienst deutlich zu verbessern, wenn er zuvor sehr niedrig war. Und allzu viel Zeit bleibt dann auch nicht mehr, privat für die Rente vorzusorgen. Sie hat aber noch etwa 40 Lebensjahre vor sich, die sie dann in eingeschränkteren Lebensverhältnissen verbringt, als sie ursprünglich dachte.

Selbst wenn der Partner während der Beziehung einen Rentenausgleich zahlt, weil sie die Kinder betreut (sollte man unbedingt vereinbaren!), ist es also ein großes Risiko, seinen Lebensstandard mehr oder weniger ausschließlich auf dem Gehalt des Partners aufzubauen.

Was heißt das jetzt für die Suche nach dem Traumjob?

Für mich ist eine Grundvoraussetzung für einen Traumjob, dass er dir mittelfristig die Aussicht auf ein akzeptables Einkommen und eine anständige Rente bietet. Vielleicht kannst du nicht sofort gut verdienen, aber zumindest in einigen Jahren sollte das möglich sein.

Dafür musst du selbst daran glauben, dass deine Arbeit wertvoll ist! Und dass du auch dann ein faires Gehalt verdienst, wenn du manchmal Fehler machst. Und dass Spaß haben und Geld verdienen sich keinesfalls ausschließen, sondern idealerweise Hand in Hand gehen. Denn nur dann hast du wirklich einen Traumjob!

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