Das vergebliche Warten auf die Erleuchtung

Das vergebliche Warten auf die Erleuchtung

Wenn du nicht weißt, was du mit deinem Leben zukünftig anfangen möchtest, wartest du vielleicht auch auf einen “Aha-Moment” der Erleuchtung, in dem plötzlich alles ganz klar und einfach ist. Vielen meiner Kundinnen geht es so und auch ich habe jahrelang auf diesen einen Moment totaler Klarheit gewartet.

In meiner Vorstellung sah der so aus: ich habe irgendwann eine zündende Zukunfts-Idee und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Ich weiß genau, was nun zu tun ist und kann voller Enthusiasmus loslegen und meinen Traum umsetzen. Das Ziel liegt glasklar vor mir und ich bin mir absolut sicher, den richtigen Weg einzuschlagen.

Die schlechte Nachricht: viele erleben einen solchen Moment nie!

Ich hatte einen solchen Moment der absoluten Klarheit nicht. Weder das genaue Ziel noch der Weg waren mir wirklich klar, als ich in die Veränderung gestartet bin. Obwohl ich wirklich ALLES gelesen und probiert habe und etwa vier Jahre lang auf die “Erleuchtung” gewartet habe.

Natürlich kommt es vor, dass Menschen nur die richtige Berufsidee brauchen und dann ist wie von Zauberhand der weitere Weg ganz klar und logisch. Aber für die meisten von uns gilt das nicht. Nun gibt es aber leider das Gerücht, dass man es sofort weiß und spürt, wenn man seine einzig wahre Berufung gefunden hat. Ich beneide jeden, der diese Erfahrung machen darf, aber ich weiß inzwischen, dass es auch ohne geht.

Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass es niemals eine solche plötzliche Erleuchtung für dich gibt. Dafür gibt es aus meiner Erfahrung mehrere Gründe:

  • Vielleicht gibt es nicht den EINEN, einzigen, richtigen, perfekten Beruf für dich, weil du in unterschiedlichen Berufen glücklich sein kannst.
  • Vielleicht weißt du einfach nicht, ob ein Beruf zu dir passt, weil du noch keine praktische Erfahrung darin sammeln konntest.
  • Vielleicht gibt es auch keinen aktuell existierenden Beruf, in dem du alle deine Wünsche und Talente vereinen kannst.
  • Vielleicht wüsstest du auch genau, was du machen willst, aber damit kannst du deinen Lebensunterhalt nicht bestreiten.

Die gute Nachricht ist: auch ohne Erleuchtung kannst du beruflich richtig glücklich werden!

Hä? Woher sollst du denn dann wissen, was du machen sollst? Ganz einfach (und doch sooo schwer!): du fängst einfach mit dem an, was nach sorgfältiger Prüfung am besten zu dir passt und worauf du am meisten Lust hast. Lass mich dir anhand der obigen Gründe erklären, warum das funktioniert:

  • Vielleicht gibt es nicht den EINEN, einzigen, richtigen, perfekten Beruf für dich, weil du in unterschiedlichen Berufen glücklich sein kannst.

Das ist doch eine super Erkenntnis! Du musst nur irgendeinen der für dich passenden Berufe ergreifen und schon bist du auf dem besten Weg ins berufliche Glück! Denk nicht darüber nach, was du vielleicht anderswo verpassen könntest. Solange du im Job glücklich bist, ist doch alles prima! Und wenn du das eines Tages nicht mehr sein solltest, machst du eben wieder etwas anderes.

  • Vielleicht weißt du einfach nicht, ob ein Beruf zu dir passt, weil du noch keine praktische Erfahrung darin sammeln konntest.

Dann ist es umso wichtiger, dass du ins Handeln kommst. Denn allein vom drüber nachdenken wirst du das nicht merken. Das war übrigens auch mein Weg zum Traumjob: ich habe es ausprobiert und beim Handeln festgestellt, wie sehr ich liebe, was ich nun tue! Dieses Vorgehen erfordert Mut, denn natürlich könnte es sein, dass du merkst, dass der Job doch nicht zu dir passt. Aber lieber einmal einen Weg eingeschlagen, der dann doch nicht passt, als sich den Rest des Lebens zu fragen, was wohl gewesen wäre, wenn man den Mut damals aufgebracht hätte…

  • Vielleicht gibt es auch keinen aktuell existierenden Beruf, in dem du alle deine Wünsche und Talente vereinen kannst.

In diesem Fall kannst du entweder ewig weiter warten, grübeln und suchen. Oder du versuchst, dir deinen perfekten Traumjob selbst zu gestalten, auch wenn es ihn bisher so noch nicht gibt. Oder du probierst, mehrere Jobs miteinander zu kombinieren, bis alle deine Wünsche erfüllt sind. So kannst du zum Beispiel mit einem Teilzeit-Job den Wunsch nach einem sicheren Gehalt realisieren, nebenberuflich in einem Mini-Job in einem helfenden Beruf arbeiten und parallel mit einer Mini-Selbstständigkeit selbst genähte Kleidung verkaufen. Auch das geht alles mit 25 Wochenstunden!

  • Vielleicht wüsstest du auch genau, was du machen willst, aber damit kannst du deinen Lebensunterhalt nicht bestreiten.

Das ist tatsächlich blöd und kommt gar nicht so selten vor. Manche möchten gerne mit Tieren arbeiten oder in einem helfenden Beruf, beides wird leider in der Regel schlechter bezahlt, als ein bisheriger Büro-Job. Auch hier würde ich versuchen, den bisherigen Job in der Stundenzahl zu reduzieren und den neuen Beruf parallel aufzubauen. Oder direkt über eine Selbstständigkeit nachzudenken. Und wenn der neue Job dich dann tatsächlich super glücklich macht, wirst du Wege finden, die finanziellen Einbußen zu kompensieren. Dafür musst du aber erst einmal die reale Erfahrung gemacht haben, ob der Job dich wirklich so erfüllt, wie du das vermutest.

Die Erleuchtung kommt meistens durchs Handeln, nicht durchs Grübeln!

Du wirst nie alle Berufe dieser Welt kennen und irgendwann ist es wichtiger, ins Handeln zu kommen als immer weiter zu grübeln und auf die Erleuchtung zu warten! Ich verstehe dein Bedürfnis nach totaler Sicherheit, bevor du einen neuen beruflichen Weg einschlägst. Aber diese totale Sicherheit ohne jeden Zweifel gibt es für die meisten Menschen nicht.

Du wirst merken, dass dir schon die Recherche bei manchen Berufsfeldern mehr Freude macht als bei anderen. Dass manche Dinge immer wieder in deine Gedanken kommen und dort kreisen. Verwirf diese Ideen nicht vorschnell, auch wenn sich vermeintliche Hindernisse zeigen! Häufig gibt es Wege zum Traumberuf, die sich nicht auf den ersten Blick zeigen, sondern erst auf den zweiten. Wenn es schon ein bisschen im Bauch kribbelt bei der Vorstellung, in diesem Job zu arbeiten, bist du auf einem sehr guten Weg.

Wenn du dann diesen Weg immer weiter gehst – trotz aller Zweifel und ohne “Aha-Moment” – gehst du Riesenschritte auf dein berufliches Glück zu. Und irgendwann kannst du dir gar nicht mehr vorstellen, dass du jemals an deinem neuen Ziel gezweifelt hast.

Und genau das ist er: der Moment, in dem alles klar und einfach ist! Vielleicht keine Erleuchtung im klassischen Sinn, aber ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch, alles richtig entschieden zu haben. Dann darfst du dir auf die Schulter klopfen und dich für deinen Mut feiern!