Die perfekte Kinderzahl bei Bewerberinnen

Es ist zugegebenermaßen ein etwas provokanter Ansatz. Aber ich glaube wirklich, dass es die “perfekte” Kinderzahl bei Bewerberinnen gibt. Bei Männern ist es nach wie vor kein Thema, aber bei Frauen wird vor oder nach Vorstellungsgesprächen immer wieder diskutiert, ob die Familienplanung wohl abgeschlossen ist. Meiner Erfahrung nach gibt es zwei ideale Werte für die Anzahl der Kinder bei Bewerberinnen:

Für Frauen unter 25 oder über 45 ist natürlich “null” die perfekte Anzahl Kinder. Bei den jungen Frauen geht der Arbeitgeber davon aus, dass es noch mindestens fünf Jahre dauert, bis sie schwanger wird. Bei den älteren Frauen, dass sie keine Kinder mehr bekommen werden.

Bei Frauen zwischen 25 und 45 wird – vor allem wenn sie verheiratet sind! – automatisch davon ausgegangen, dass sie bestimmt demnächst schwanger werden. Dass manche Frauen keine Kinder haben wollen, wird zwar zur Kenntnis genommen, aber irgendwie auch komisch gefunden. Gemäß deutschem Frauenbild wollen schließlich ALLE Frauen Kinder. Es ist also nicht unbedingt ein Vorteil, wenn eine Bewerberin deutlich sagt, dass sie keine Kinder haben möchte. Man wird im Zweifel glauben, dass sie sich das bestimmt noch anders überlegen wird, wenn die biologische Uhr nur laut genug tickt.

Deshalb ist in der Altersgruppe 25-45 nicht mehr “null”, sondern “zwei” die perfekte Anzahl Kinder. Bei Einzelkindern wird unterstellt, dass bestimmt noch irgendwann ein Geschwisterlichen geplant ist. Und jede Frau mit drei oder mehr Kindern hat sich in den Augen der meisten Arbeitgeber gegen beruflichen Erfolg entschieden und wird daher allenfalls für mittelspannende Projekte in Betracht gezogen.

Diese Denkweise ist ebenso unfair wie absurd. Trotzdem habe ich erlebt, dass nach Vorstellungsgesprächen lange über die qualifizierteste Bewerberin diskutiert wurde, weil sie nur ein Kind hatte. Das Kind war noch klein, da folgt doch bestimmt bald ein Zweites? Letztlich hat sie den Job übrigens bekommen. Aber auch nur, weil kein anderer geeigneter Bewerber in Sicht war.

Was sagt dir das nun? Dass du auf jeden Fall zwei Kinder bekommen solltest? Natürlich nicht! Ich will dir nur einen Einblick in die Denkweise eines Arbeitgebers geben. Denn je besser du verstehst, nach welchen Mustern und mit welchen Erwartungen Mütter im Berufsleben beurteilt werden, desto eher kannst du diesen Argumentationen den Wind aus den Segeln nehmen.

Ob du eher offensiv an das Thema herangehen möchtest (“Ich habe ein Kind und ja, ich möchte auch ein zweites. Aber erst so in zwei Jahren”) oder lügen (“Ich habe ein Kind und damit ist die Familienplanung abgeschlossen”, obwohl das nicht stimmt) oder deine vier Kinder einfach gänzlich unerwähnt lässt, um nicht benachteiligt zu werden, bleibt natürlich dir überlassen. Je nach Situation kann jede Strategie zum Erfolg führen. Ich möchte dich nur sensibilisieren, welche Vorbehalte je nach deiner individuellen Situation auf dich zukommen könnten.

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