Gehört der Teilzeitwunsch in dein Anschreiben?

Als wäre es nicht schwer genug, sich neben Kindern und allem Drum und Dran Zeit für seine Bewerbungen zu nehmen, stehen Mütter noch vor ganz anderen Fragen. Zum Beispiel dieser hier: wenn ich mich für eine in Vollzeit ausgeschriebene Stelle bewerbe – sollte ich meinen Teilzeitwunsch dann im Anschreiben erwähnen oder nicht?

Was machen die meisten, wenn sie so eine Frage haben? Sie googeln. Du sicher auch, vielleicht bist du sogar darüber auf diesen Text gestoßen. Ich habe diese Frage auch mal gegoogelt, weil ich wissen sollte, was andere Experten so empfehlen. Und ich war doch einigermaßen überrascht.

Ich habe nämlich nur zwei Sorten von Empfehlungen gefunden, die sich dazu noch ganz schön widersprechen! Das erste (und größere) Lager ist der Meinung, dass das Verhältnis zum künftigen Arbeitgeber von vornherein zerrüttet ist, wenn du nicht von Anfang an offen mit deinem Teilzeitwunsch umgehst. Du solltest demnach den Teilzeitwunsch unbedingt ins Anschreiben setzen! Lager zwei geht davon aus, dass du dann keine Chance auf ein Vorstellungsgespräch bekommst und rät dir aus diesem Grund dazu, den Teilzeitwunsch zu verschweigen.

Ich finde beides falsch. Denn ich sage: es kommt darauf an! Die Antwort ist vielleicht erst mal unbefriedigend, aber natürlich erkläre ich dir, wie du für dich entscheiden kannst, ob der Teilzeitwunsch in dein Anschreiben gehört oder nicht.

Warum solltest du überhaupt darüber nachdenken?

Studien zeigen (leider) eindeutig, dass Mütter mit kleineren Kindern in Bewerbungsprozessen eher aussortiert werden. Auch Bewerbungen mit Teilzeitwunsch werden schneller aussortiert, wenn eine Vollzeitstelle ausgeschrieben wurde. Deshalb ist es wichtig, dass du zu dieser Frage eine bewusste Entscheidung triffst, um deine Chancen zu steigern.

„Aber ich suche einen familienfreundlichen Arbeitgeber, ich will niemanden, der mich wegen der Teilzeit ablehnt!“

Solche Aussagen höre ich immer wieder und ich kann sie sehr gut nachvollziehen. Allerdings ist nicht jeder Arbeitgeber oder jeder Personaler, der dir wegen des Teilzeitwunsches absagt, gleich unflexibel oder nicht familienfreundlich! Die erste Auswahl von Bewerber*innen erfolgt meist sehr schnell, in unter 90 Sekunden. Da werden keine gut reflektierten und durchdachten Entscheidungen getroffen sondern automatisierte und einfache.

Im Vorstellungsgespräch ist das anders. Man hat sich mit dir und deinen Kompetenzen beschäftigt, hat dich persönlich kennengelernt und eine Beziehung zu dir aufgebaut. Da ist die Bereitschaft viel höher, dir mit der Stundenzahl entgegen zu kommen, als wenn man „nur“ ein Blatt Papier vor sich hat.

Deshalb spricht einiges dafür, den Teilzeitwunsch in der Bewerbung nicht zu erwähnen. Ein schlechtes Gewissen musst du deshalb nicht haben, die Firma legt in der Stellenausschreibung ja auch nie alle Informationen auf den Tisch, sondern spricht heikle Punkte (Überstunden, schlechte Bezahlung oder schwierige Kunden) erst im Vorstellungsgespräch an. Du darfst das genauso machen!

Dennoch: viele Frauen fühlen sich einfach wohler, direkt mit offenen Karten zu spielen und den Teilzeitwunsch direkt im Anschreiben offen zu erwähnen.

4 Faktoren entscheiden, ob der Teilzeitwunsch ins Anschreiben gehört

Es gibt also für beide Positionen gute Gründe. Wie sollst du dich dann entscheiden, ob du den Teilzeitwunsch erwähnst oder nicht? Anhand von folgenden Faktoren:

  1. Steht in der Anzeige etwas davon, dass Teilzeit möglich ist?
    Wenn das der Fall ist, kannst du deinen Teilzeitwunsch bedenkenlos in deine Bewerbung schreiben
  2. Wie viele Stunden möchtest du arbeiten?
    Wenn du mehr als 25 Stunden arbeiten möchtest, kannst du Das Thema „Teilzeit“ problemlos im Vorstellungsgespräch erst ansprechen. Willst du weniger Stunden arbeiten, wird das schwieriger, denn der Unterschied zur Vollzeit ist einfach größer. Heißt: bei geringer Stundenzahl würde ich den Teilzeitwunsch eher ins Anschreiben schreiben, bei höherer Stundenzahl nicht.
  3. Wie verhandlungsbereit bist du?
    Das ist einer der wichtigsten Punkte! Wenn sich der Job als dein absoluter Traumjob entpuppt, bei dem die Aufgaben und das Gehalt passen, du flexibel und mit Homeoffice arbeiten kannst und so weiter, wärst du dann bereit, mit den Stunden hochzugehen? Würde dein Partner dann vielleicht reduzieren? Wenn du jetzt grübelst und sagst „ja gut, für den perfekten Job würde ich auch mehr Stunden machen“, dann solltest du den Teilzeitwunsch eher nicht ins Anschreiben setzen. Denn sonst fliegst du vielleicht wegen zu geringer Stunden aus dem Prozess, obwohl der Job so toll ist, dass du dafür auch mehr arbeiten würdest.
  4. Wie hoch ist dein Marktwert?
    Bist du in einem Bereich tätig, in dem händeringend Leute gesucht werden? Dann schreib den Teilzeitwunsch direkt in die Bewerbung und sortiere so die nicht flexiblen Arbeitgeber von vornherein aus. Bist du dagegen in einem Bereich tätig, wo es wenig Stellen gibt und die Konkurrenz groß ist, solltest du den Teilzeitwunsch eher verschweigen.

Wie formulierst du den Teilzeitwunsch im Anschreiben am besten?

Hast du dich anhand der obigen Faktoren dafür entschieden, mit offenen Karten zu spielen und den Teilzeitwunsch direkt ins Anschreiben zu schreiben, solltest du dort auch eine konkrete Stundenzahl nennen. Du kannst auch eine Spanne angeben, zum Beispiel „20-25 Wochenstunden“. Einfach nur „Teilzeit“ zu schreiben ohne konkrete Stundenzahl, kommt meist nicht gut an. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob jemand 15 oder 32 Stunden arbeiten möchte.

Die Angabe des Teilzeitwunsches gehört ans Ende deines Anschreibens, dorthin, wo auch deine Gehaltsvorstellung und der mögliche Eintrittstermin stehen. Im Betreff sollte es besser nicht auftauchen, damit der Leser erst einmal andere Dinge von dir erfährt und nicht sofort über den Teilzeitwunsch „stolpert“.

Übrigens: wenn du verhandlungsbereit bist oder in den nächsten Jahren deine Stunden aufstocken willst, kannst du das ebenfalls in deinem Anschreiben formulieren und damit den vermeintlichen „Nachteil“ Teilzeit etwas abschwächen.

So sprichst du den Teilzeitwunsch im Vorstellungsgespräch an

Hast du dich dagegen entschieden, im Anschreiben noch nicht zu verraten, dass du in Teilzeit arbeiten möchtest, musst du das spätestens am Ende des Vorstellungsgespräches tun. Am besten machst du das, indem du eine Frage formulierst („Wäre es auch möglich, diese Stelle in Teilzeit anzutreten?“) oder einen Wunsch („Idealerweise würde ich gerne zunächst in Teilzeit mit 30 Wochenstunden starten“).

Wenn du es so formulierst, wirst du sehen, dass die Gesprächsatmosphäre positiv bleibt und niemand es dir übel nimmt, erst jetzt Das Thema „Teilzeit“ anzusprechen.

Meine Empfehlung

Wenn du immer noch unsicher bist, wie du es am besten machen sollst, rate ich dir dazu, den Teilzeitwunsch NICHT im Anschreiben zu erwähnen. Damit steigerst du die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch und selbst wenn es dann mit diesem Job tatsächlich wegen der Teilzeit nicht klappt, hat man dich schon mal kennengelernt und es ergeben sich vielleicht andere Chancen in dem Unternehmen. So oder so konntest du ein Gespräch üben und neue Erfahrungen sammeln.

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