Geld oder Liebe

Kennst du noch die gleichnamige Sendung von früher? Da haben Kandidaten einander kennengelernt und gleichzeitig Geld erspielt. Am Ende mussten beide entscheiden, ob sie das Geld behalten wollen oder auf die Liebe setzen. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie die Spielregeln waren, aber das ist hier auch egal.

Mütter wissen nichts von dieser Entscheidung

Mein Eindruck ist, dass viele Mütter zumindest unbewusst genau diese Entscheidung treffen müssen: Geld oder Liebe. Entweder legst du Wert auf eine finanziell erfolgreiche Berufslaufbahn, oder du bekommst Kinder. Beides zusammen ist die große Ausnahme, vor allem wenn du mehrere Kinder haben möchtest. Vielleicht hast du auch von der Bertelsmann-Studie gehört?

Hier ein Auszug davon: wenn eine Frau ein Kind bekommt, verdient sie im Laufe ihres Berufslebens 40% weniger als eine Frau ohne Kind. Bei drei oder mehr Kindern sind es sogar fast 70% Lebensgehalt weniger. Das ist schon heftig! Väter dagegen verdienen sogar durchschnittlich bis zu 20% mehr als kinderlose Männer.

Für Männer geht also ganz offensichtlich beides: Geld und Liebe. Nur Frauen müssen sich entscheiden und kriegen das oft gar nicht mit. Denn die wenigsten gut ausgebildeten Frauen denken sich bei der Kinderplanung: „Klar, ich entscheide mich dafür, 50% weniger in meinem Leben zu verdienen“. Wir alle denken, dass wir es bestimmt besser hinbekommen und vielleicht nach ein paar Jahren Teilzeit wieder ganz normal in Vollzeit unserer Karriere nachgehen können.

Und dann passiert es uns doch

Leider kommt dann die Realität dazwischen: fehlende Kita-Plätze, eine Betreuung nur von 8 bis 15 Uhr, ein Kind das nach der Schule kaputt ist und nicht in den Hort will, Arbeitgeber die einen degradieren, ein Partner der nicht so mitzieht wie versprochen oder, oder, oder…

Und zack, schon erwischt es uns doch! Die Jahre gehen ins Land und wir arbeiten immer noch in Teilzeit auf einem Posten, für den wir eigentlich überqualifiziert sind. Und werden schlecht bezahlt, was bedeutet, das das Einkommen des Partners immer wichtiger wird, er uns weiter abhängt und sich irgendwann wirklich nicht mehr die Frage stellt, wer denn nun beim kranken Kind zu Hause bleibt.

Am besten vorbeugen!

Aus dieser Situation wieder heraus zu kommen, ist nicht einfach. Deshalb solltest du versuchen, gar nicht erst hinein zu kommen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn vermutlich wirst du dafür kämpfen müssen. Um einen Kita-Platz zum Beispiel (es gibt einen Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem 1. Geburtstag!). Oder um die Frage, ob nicht auch dein Partner Teilzeit arbeiten kann, damit du mit einer höheren Stundenzahl wieder einsteigen kannst oder sogar in Vollzeit. Und ja, vielleicht müsst ihr dafür ein oder zwei Jahre auf einen teuren Urlaub verzichten, weil ein Teil des höheren Einkommens vom Mann fehlt. Aber auf lange Sicht werdet ihr euch viel mehr leisten können, wenn du als Mutter beruflich nicht den Anschluss verlierst! Mal abgesehen davon, dass du dich absicherst, falls es zu einer Trennung kommt und etwas für deine Rente tust.

Männer wollen oft nicht in Teilzeit arbeiten. Kann ich verstehen, es hat ja auch viele Nachteile. Aber müssen wir Frauen deshalb immer alle Nachteile auf uns nehmen? Nein, in einer Partnerschaft sollten Nachteile wie Vorteile gleichermaßen auf alle vorhandenen Schultern verteilt werden. Und Mütter haben im beruflichen Kontext ohnehin viele Nachteile, da können die Väter ruhig auch mal einen übernehmen.

Vielleicht könnt ihr euch zumindest auf eine befristete Teilzeit-Lösung für den Mann einigen. Dank der Brücken-Teilzeit hat er nach einem klar vereinbarten Zeitraum wieder Anspruch auf Vollzeit. Die Brücken-Teilzeit solltest du übrigens auch nutzen, wenn du nach der Elternzeit vorübergehend deine Stunden reduzieren willst! Denn ansonsten verlierst du den Anspruch auf deine Vollzeit-Stelle und schon sitzt du in der Teilzeitfalle. Mit mindestens 40% weniger Lebenseinkommen, siehe oben.

Triff eine bewusste Entscheidung!

Ich weiß, dass diese Diskussionen und Kämpfe nerven. Und dass man eigentlich auch gerne so viel wie möglich für die Kinder da sein möchte. Trotzdem ist es wichtig, sich einmal die realistischen Folgen vor Augen zu führen, wenn man sich für ein Modell dauerhafter Teilzeit als Frau entscheidet: deutlich weniger Lebenseinkommen, Gefahr der Altersarmut, finanzielle Abhängigkeit vom Mann und der Partnerschaft, fehlende Entfaltung eigener Potenziale im Job.

Wenn es dir das wert ist, finde ich das total in Ordnung. Denn natürlich verstehe ich die Argumentation, dass die Kinder nur so kurze Zeit klein sind und man diese Zeit genießen will. Und ich verstehe auch die Hoffnung, dass einen die Altersarmut selbst schon nicht so schlimm treffen wird und die eigenen Ehe bestimmt bis zur Rente und darüber hinaus hält.

Ich wünsche dir auch von Herzen, dass das klappt! Aber sei dir bitte des Risikos bewusst, dass es auch anders laufen kann. Wenn du dich dann bewusst für dieses Risiko entschieden hast, wirst du mit der Situation besser zurecht kommen als wenn du gar nicht damit gerechnet hast, dass es schwer werden wird.

Die schlechteste aller Varianten: Die Augen vor der Realität und den Zahlen zu verschließen und den Kopf in den Sand zu stecken! Besser ist es, wenn du dir deine Situation konkret und nüchtern anschaust, dich informierst (zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale über deine Rentenlücke) und dann eine Entscheidung triffst, was du tun willst. Ich wünsche dir dabei gutes Gelingen und viel Erfolg!

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