Krummer Lebenslauf?

Ich persönlich finde Menschen oft sehr spannend, die keinen geraden Lebenslauf haben. Vielleicht, weil ich ein bisschen neidisch bin auf die unterschiedlichen Erfahrungen. In Bewerbungsprozessen ist ein „bewegter Lebenslauf“, wie es im Personaler-Sprech heißt, aber oft eher ein Nachteil. Viele Unternehmen befürchten, dass Bewerber, die schon viele Wechsel hatten oder viele verschiedene Dinge ausprobiert haben, auch im angebotenen Job kurz nach der Einarbeitung hinschmeißen.

Dazu kommt die Krux der Vorselektion: es gibt Unternehmen, die anhand des Lebenslaufes eine automatische Vorselektion der Bewerber betreiben und sich dann das mühsam formulierte Anschreiben niemals angucken. Meist sind das große Firmen, die ein aufwändig auszufüllendes Bewerberformular haben. Wenn du nahezu deinen ganzen Werdegang in vorgefertige Masken übertragen musst, ist die Chance groß. dass damit eine automatisierte Vorauswahl erfolgt.

Was also tun, wenn dein Werdegang nicht besonders geradlinig ist? Am wichtigsten ist aus meiner Sicht, dass du dir über die Gründe deiner Wechsel im Klaren bist. Bist du einfach immer in was Neues reingestolpert, weil es sich so ergeben hat? Oder gibt es handfeste Gründe, die für einen Jobwechsel sprechen (gesundheitliche Gründe, Umzüge etc.)? War dir immer schnell langweilig oder hattest du häufig Stress mit Vorgesetzten und Kollegen und hast deshalb den Job gewechselt? Sei an diesem Punkt unbedingt ehrlich zu dir!

Wenn es konkrete, von außen nachvollziehbare Gründe für die Wechsel gibt, schreib sie am besten in den Lebenslauf. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

10/2004-6/2005 Mitarbeiterin im Verkauf bei H&M (Kündigung wegen Filialschließung)

8/2005-11/2006 Verkäuferin im Außendienst bei Vorwerk (Beendet wegen Umzug)

Damit beugst du Spekulationen vor. Bist du eher von der Fraktion „das hat sich alles so ergeben“? Da wird es schon deutlich schwieriger, denn Arbeitgeber mögen in der Regel keine Bewerber, denen ihr Leben bisher einfach so „passiert“ ist. Dahinter steht die Vermutung, dass du selbst nicht weißt, was du willst und nicht motiviert und fokussiert bist. Dazu kommt die Befürchtung, dass du bei nächster Gelegenheit wieder das Handtuch wirfst. Wenn du deinen Werdegang reflektiert hast und dir jetzt sehr genau überlegt hast, was du künftig machen willst, spiele im Anschreiben mit offenen Karten und gib zu, dass du dich bisher eher hast treiben lassen, nun aber genau weißt, was du willlst. Verkauf es als Vorteil, dass du vieles ausprobiert hast und daher genau weißt, wo deine Stärken liegen. Und erkläre, warum du dir so sicher bist, jetzt genau zu wissen, was du willst.

Hast du oft gekündigt, weil es Probleme gab oder dir langweilig war? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du dir bisher nicht genug Zeit genommen hast, den für dich passenden Job zu finden. Vielleicht gibt es auch persönliche Baustellen (Unsicherheit, Konfliktscheue etc.), die dich immer nach kurzer Zeit „flüchten“ lassen. Eine langfristige Lösung wäre, das Ganze im einem Coaching anzugucken und die dahinter liegenden Muster zu ergründen. Kurzfristig kann es helfen, gezielt einen Job zu suchen, in dem du viel allein arbeiten oder regelmäßig Homeoffice machen kannst. In Bewerbungsprozessen sollten Konflikte in vorherigen Jobs möglichst wenig thematisiert werden, wenn man sich nicht ganz klar damit auseinander gesetzt hat und eine differenzierte Darstellung dazu geben kann. Was kannst du also tun? Eine Möglichkeit ist, es so darzustellen, dass der neue Job viel attraktiver auf dich wirkte und du deshalb den alten gekündigt hast. Das funktioniert aber nur bei nahtlosen Übergängen. Ansonsten würde ich empfehlen, die Eigenkündigung in der schriftlichen Bewerbung nicht zu thematisieren oder nus „aus persönlichen Gründen“ dazu anzugeben. Im Vorstellungsgespräch kann man dann erläutern, dass einem der alte Job nicht gefallen hat und man eine Auszeit genommen hat, um sich beruflich neu aufzustellen. Aber ich will ehrlich sein: ein solcher Bruch im Lebenslauf wird immer problematisch bewertet und man sollte als Bewerber gut auf die bohrenden Fragen dazu vorbereitet sein.

Wenn dein Traum-Arbeitgeber ein Bewerbungsformular hat, dass auf eine automatisierte Vorselektion hindeutet, schau am besten nach, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, sich anders zu bewerben. Vielleicht darf man sich mit einem Video bewerben? Oder es gibt eine Messe, auf der man sich persönlich kennenlernen kann? Achtung: Bewerbungen per Mail werden automatisch ausgelesen und in die Formulare übertragen, das bringt dich nicht weiter! Gibt es keine andere Chance, würde ich vor einer Bewerbung in der Personalabteilung anrufen und mit offenen Karten spielen. Erkläre, dass der angebotene Job toll zu dir passt, dein Werdegang aber erklärungsbedüftig ist und du Sorge hast, automatisch aussortiert zu werden wenn du das Formular nutzt. Vielleicht kann man dich beruhigen, dass es keine solche Vorselektion gibt (muss natürlcih nicht stimmen). Ich habe es auch erlebt, dass man sich den Namen notiert und versprochen hat, sich diese Bewerbung persönlich anzusehen.

Du siehst also, es gibt viele Möglichkeiten, auch mit einem krummen Lebenslauf Erfolg zu haben. Also keine Ausreden mehr und ran an den Traumjob!

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