Kündigung nach der Elternzeit

Das deutsche Arbeitsrecht ist kompliziert. Da ist es kaum verwunderlich, dass man als Laie oft überrascht ist, was erlaubt ist und was nicht. Das mit der Kündigung nach der Elternzeit ist so ein Thema. Mittlerweile ist den meisten bewusst, dass der Arbeitgeber während einer Schwangerschaft oder während der Elternzeit nicht kündigen darf (von ganz ganz wenigen Extremfällen abgesehen).

Sobald die Elternzeit vorbei ist, gelten aber wieder die gleichen Regeln wie vor der Elternschaft. Und man darf gekündigt werden. Auch am ersten Tag nach der Rückkehr! Aber hat man denn nicht einen Anspruch auf Beschäftigung in einem vergleichbaren Job wie vor der Elternzeit? Ja, den hat man. Aber der nützt einem nichts, wenn der Arbeitgeber einen nicht zurück haben will. Natürlich ist es kein guter Stil, wenn ein Arbeitgeber einem direkt nach der Rückkehr eine Kündigung überreicht. In meinen Augen ist es aus vielen Gründen moralisch höchst verwerflich, insbesondere wenn man die Kinderbetreuung extra für den Job passend ausgewählt hat.

Aber es ist nun einmal so: innerhalb des “normalen” Kündigungsrechts in Deutschland darf einem gekündigt werden. Wenn das passiert, sollte man schleunigst zum Anwalt gehen, denn oft kann der wenigstens noch eine vernünftige Abfindung oder die Einhaltung einer längeren Kündigungsfrist verhandeln. Davon hat man zwar den Job nicht wieder, aber immerhin einen finanziellen Puffer, um sich in Ruhe einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Der Anwalt muss innerhalb von drei Wochen nach der Kündigung Klage einreichen, also wartet nicht zu lange mit der Entscheidung. Viele Anwälte bieten auch eine kostenlose Erstberatung an, ein solcher Termin reicht einem erfahrenen Arbeitsrechts-Anwalt, um die Erfolgschancen einer Klage einzuschätzen.

Schwieriger als die rechtliche Seite ist für viele aber sicherlich das Gefühl, als Mutter im Betrieb nicht mehr gewollt zu sein. Egal, wie erfolgreich man vorher war, manche Chefs wollen einfach keine Mütter im Team. Das ist kurzsichtig, gesellschaftlich skandalös und eine richtig miese Einstellung! Einem solchen Chef sollte man nicht hinterherweinen. Und trotzdem schaffen es solche Chefs, tollen und engagierten und qualifizierten Frauen Selbstzweifel mitzugeben.

Sollte dir das auch passiert sein, lass dir gesagt sein: es gibt auch andere Chefs! Und du bist nicht weniger gut, wenn nur weil dir ein Idiot gekündigt hat. Hol dir Hilfe, lass dich aufbauen und starte neu und besser durch! Wer weiß, wofür dieser Schock der Kündigung gut war. Vielleicht kannst du dich in einigen Jahren beim Chef-Idioten bedanken, weil seine Engstirnigkeit dir den Mut gegeben hat, beruflich einen neuen und besseren Weg zu gehen!

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