Mein schlimmster Arbeitstag – und was du daraus lernen kannst

Hast du auch manchmal das Gefühl, mit deinen Erfahrungen und Problemen allein auf der Welt zu sein? Nur bei dir geht alles schief, aber allen anderen gelingt immer alles?

Stimmt nicht! Die meisten Menschen sprechen einfach nicht über ihre negativen Erfahrungen oder über Situationen, in denen sie gescheitert sind. Ich möchte dir heute von meinem schlimmsten Arbeitstag erzählen. Damit du siehst, dass auch andere solche Dinge erleben. Und damit du nicht die gleichen Fehler machst, wie ich, falls dir mal etwas Ähnliches passieren sollte (was ich nicht hoffe!).

Mein schlimmster Tag hat sich sehr bei mir im Gedächtnis eingebrannt – unter anderem, weil dies mein allererster Arbeitstag überhaupt war! Ich war so stolz, dass ich direkt nach dem Studium einen Job gefunden habe. Endlich mal nicht mehr nur die Praktikantin sein, sondern eine richtige Mitarbeiterin! Das Gehalt war gut, die Aufgaben spannend und in meinem Wunsch-Bereich: der Personalentwicklung! Das Vorstellungsgespräch war super und ich bin hochmotiviert zum ersten Arbeitstag angetreten.

Der erste Arbeitstag war die Hölle

Dieser erste Tag im neuen Job war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke!

Ich komme morgens pünktlich in der neuen Firma an, wie gesagt hoch motiviert und ziemlich aufgeregt. Die nette Dame am Empfang weiß offensichtlich nicht, dass ich heute meinen Job antrete. Sie telefoniert etwas hektisch herum. Ich soll mich erst mal setzen und warten, man würde mich gleich abholen. Also sitze ich dort. 5 Minuten. 10 Minuten. 30 Minuten.

Nach fast einer Dreiviertelstunde werde ich von meiner neuen Teamleiterin abgeholt. Sie ist sichtlich irritiert von meiner Anwesenheit, versucht aber freundlich zu sein. Was ich hier machen würde? Häh? Was ist denn das für eine Frage??? Ich werde hektisch, erinnere sie an die Zusage vor zwei Wochen per Mail und die Absprache, dass ich meinen Arbeitsvertrag am ersten Arbeitstag bekommen soll. Letzte Woche habe ich mit dem Geschäftsführer doch noch meinen Arbeitsbeginn final abgesprochen?

Sie weiß von nichts. Der Geschäftsführer hat sie einfach nicht informiert! Ich bin völlig verunsichert und ehrlich gesagt total hilflos. Sie auch. Sie bringt mich zu einem Konferenzraum, gibt mir ein paar Unternehmensbroschüren “zum lesen” und verschwindet. Spoiler: ich werde nahezu den ganzen Tag allein in diesem Raum verbringen. Mit drei Broschüren á 10 Seiten. Ein Smartphone hatte ich damals noch nicht, surfen oder ähnliches ging also auch nicht. Die einzige Unterbrechung war das Mittagessen, zu dem mich einige mitfühlende Kolleg*innen mitgenommen haben. Auch sie wussten aber nichts von meiner Einstellung und waren offensichtlich überfordert mit meiner Anwesenheit.

Den ganzen Tag sitze ich also allein in diesem Raum. Etwa 7 STUNDEN LANG. Viel Zeit, um zu grübeln: was hatte ich falsch gemacht? Warum passiert mir das? Was mache ich denn jetzt??? Am Ende entscheide ich mich fürs Nichtstun und abwarten. Ich hatte aber auch einfach keine Idee, was ich sonst tun könnte.

Das Ende dieses Tages

Am Ende dieses furchtbaren Tages hat die Teamleiterin mir gesagt, ich solle morgen wiederkommen. Dann gäbe es einen Vertrag, einen Schreibtisch und etwas zu tun für mich. Ein paar Vorwürfe durfte ich mir auch noch anhören. Warum ich nur mit dem Geschäftsführer meinen Einstieg besprochen hätte und nicht mit ihr? Warum ich mich ohne Arbeitsvertrag überhaupt auf den Weg zu einem Job machen würde? Im Klartext: warum ich so naiv gewesen bin! Ich bin gerade noch bis zu meinem Auto gekommen und habe sofort angefangen zu weinen.

Da saß ich nun – allein in einer fremden Stadt (ja, ich bin extra für diesen Job an den Niederrhein gezogen!) und völlig verzweifelt. Auf keinen Fall wollte ich am nächsten Tag wieder in die Firma gehen.

Wie es weiterging

Ich bin doch wieder hingegangen, die Angst vor der Lücke im Lebenslauf war zu groß. Fünf Monate habe ich durchgehalten, dann habe ich einen neuen Job gefunden und bin wieder zurück nach Niedersachsen gezogen. Ohne meine beste Freundin (danke Karo!) und eine sehr nette Kollegin (danke Indra!) hätte ich die Zeit nicht überstanden. Es wurde im Laufe der Zeit zwar besser, aber wohlgefühlt habe ich mich in diesem Unternehmen nie. Dafür war mein nächster Job mein absoluter Traumjob und ich war lange Zeit sehr glücklich in diesem Unternehmen.

Was ich daraus gelernt habe – und was du daraus lernen kannst

  • Miese Tage gehören zum Leben dazu. Auch im Job. Und man überlebt das, auch wenn es sich erst mal nicht so anfühlt. Wenn es aber dauerhaft nicht besser wird, sollte man die Reißleine ziehen. Guck also mal auf die letzten Monate in deinem Job: wie ging es dir dort? Wird es besser, schlechter oder bleibt es gleich? Wenn es eh schon richtig mies ist oder ein stetiger Abwärtstrend erkennbar ist, solltest du besser heute als morgen versuchen, dort weg zu kommen.
  • Ich habe tatsächlich Fehler gemacht in der Kommunikation: ich wollte keine unnötige Mühe machen und habe deshalb auf die Zusagen des Geschäftsführers vertraut und im Vorfeld nicht mehr mit der Teamleiterin gesprochen. Obwohl ich geahnt habe, dass der Geschäftsführer ein Chaot ist. Er hatte vorher schon eine Menge Verwirrung gestiftet. Heute höre ich besser auf mein Bauchgefühl. Und das solltest du auch tun: deine Intuition sagt dir, ob es noch Chancen auf eine Verbesserung gibt und mit wem du dafür sprechen musst. Vertrau dir selbst und geh es an!
  • Ich habe mir viel zu viel gefallen lassen. Ich war 24 Jahre alt und habe mich nicht getraut, für mich einzustehen. Heute würde ich viel eher aufstehen und nach Hause fahren. Niemand hat mich gezwungen, in diesem Raum zu sitzen und mich zu langweilen. Wann immer ich im Laufe dieses Tages gefragt wurde, ob alles in Ordnung ist, habe ich “ja” gesagt. Ein großer Fehler! Hätte ich eingestanden, wie verunsichert ich bin und was die Situation mit mir macht, hätte man mir geholfen. Davon bin ich überzeugt. Also: wenn es dir nicht gut geht, dann sag das! Nur so können die Verantwortlichen dir helfen.
  • Ich habe in diesen langen Stunden im Konferenzraum die ganze Zeit überlegt, was ICH falsch gemacht habe und mir Vorwürfe gemacht. Falls du dir auch ständig Vorwürfe machst, dass du im falschen Job gelandet bist und miesen Arbeitsbedingungen ausgesetzt bist: sei dir selbst eine Freundin und hör auf damit! Niemandem ist geholfen, wenn du dich selbst fertig machst. Und: es ist nicht deine Schuld, dass der Job mies ist! Dafür sind andere verantwortlich (dein*e Chef*in zum Beispiel). Also: hör auf damit, dich selbst zu beschimpfen.

Das war er also: mein schlimmster Arbeitstag. Kannst du verstehen, warum mir dieser Tag so nahe ging? Schreib mir gerne mal von deinem schlimmsten Arbeitstag (anke@karriereglueck.com). Ist er schon lange her oder liegt er erst einige Tage zurück? Was hast du aus ihm gelernt? Ich freue mich auf deine Mail!

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