Soll ich meine Kinder in der Bewerbung verschweigen?

Diese Frage bekomme ich in Bewerbungstrainings immer wieder gestellt. Vielen Müttern fällt es schwer, einen so elementaren Teil ihres Lebens in ihrem Lebenslauf nicht anzugeben. Dennoch rate ich meistens dazu, die Kinder möglichst nicht zu erwähnen, obwohl eine Reihe Bewerbungsratgeber es genau gegenteilig empfehlen. Warum mache ich das?

Kinder zu haben, ist für Frauen in der Berufswelt leider immer noch sehr oft ein Nachteil. Und warum sollte ich in einer Bewerbung (die ja als “Werbung” für mich dient) einen Nachteil angeben? Natürlich ist es unfair, dass Frauen mit Kindern benachteiligt werden, aber das ist nun einmal eine gut belegte Tatsache. Genau deshalb ist die Frage nach Kindern ja in Bewerbungsprozessen verboten, ebenso wie die Frage nach einer Behinderung oder anderen Dingen, aufgrund derer Menschen diskriminiert werden.

Arbeitgeber müssen also damit leben, dass Kinder in Bewerbungen verschwiegen werden. Und warum auch nicht? Was geht es den Arbeitgeber an, dass ich Kinder habe? Ich erzähle ihm ja auch nicht, dass ich einen Hund habe oder ein zeitaufwändiges oder gefährliches Hobby oder PMS und deshalb vielleicht mal ausfalle. Die Beispiele sind extrem, aber sollen einmal verdeutlichen, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, die Kinder nicht zu erwähnen.

Ich würde mir wünschen, dass Arbeitgeber Mütter als das sehen würden, was sie meistens sind: sehr loyale, gut strukturierte, fleißige und motivierte Mitarbeiterinnen. Stattdessen werden sie oft als unflexibel, häufig krank, unzuverlässig und unproduktiv gesehen. Wobei das totaler Quatsch ist, Mütter fehlen nicht häufiger als andere Mitarbeiter bei der Arbeit und leisten auch nachweislich nicht weniger, sondern eher mehr. Solange Arbeitgeber nur aufgrund meiner Eigenschaft als Mutter meine Qualifikationen ignorieren und mir stattdessen (oft unbewusst) mit Vorurteilen begegnen, würde ich in der schriftlichen Bewerbung die Kinder nicht erwähnen. Allerdings gibt es Ausnahmen:

Wenn du während der Elternzeit keinen Arbeitgeber hattest, weil zum Beispiel eine Befristung ausgelaufen ist oder du im Studium Mutter geworden bist, dann schreib die Elternzeit mit in den Lebenslauf, um unerklärte lange Lücken zu vermeiden. Ebenso würde ich die Kinder angeben, wenn es in der Stellenausschreibung explizit um eine Teilzeitstelle geht. Damit wird für den Arbeitgeber klar, warum du keine Vollzeit-Stelle suchst. Und wenn die Elternzeit sehr lang war im Verhältnis zur Berufstätigkeit (z.B. 5 von 7 Jahren) sollte sollte sie auch in der Bewerbung erwähnt werden, da die Berufserfahrung ansonsten erheblich überschätzt würde. Ansonsten würde ich keine Elternzeiten angeben, denn auch im Zeugnis dürfen sie nur in Ausnahmefällen erwähnt werden (wenn nämlich die Elternzeit einen erheblichen Anteil des Beschäftigungsverhältnisses eingenommen hat). Der neue Arbeitgeber erfährt also im Normalfall erst einmal nicht, dass du Elternzeit hattest.

Wenn deine Bewerbung erfolgreich war und du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurdest, kannst du wieder entscheiden, ob du deine Kinder erwähnst. Auch hier geht es den Arbeitgeber nichts an und du musst es nicht erwähnen. Bei älteren Kindern würde ich es auch nicht unbedingt machen, weil es nun mal nichts mit deiner Qualifikation und Eignung für den Job zu tun hat, ob du Mutter bist. Bei kleinen Kindern würde ich es eher erwähnen, sofern es Berührungspunkte mit dem Job gibt (z.B. auch KiTa-Abholzeiten, Teilzeitwünsche, eingeschränkter Reisebereitschaft etc.). Im Vorstellungsgespräch ergibt sich im Idealfall ja ein Gespräch auf Augenhöhe, du hast die Chance, dich persönlich zu beweisen und kannst direkt sehen, wie auf die Nachricht der Mutterschaft reagiert wird. Denn natürlich will niemand sein restliches Berufsleben lang verschweigen, dass er Kinder hat! Und auch nicht in einem Unternehmen arbeiten, in dem das nötig wäre. Es ist übrigens erwiesen, dass in Vorstellungsgesprächen seltener wegen der Mutterschaft negativ entschieden wird, als in der schriftlichen Bewerbung. Scheinbar können vorhandene Vorurteile und Annahmen durch das persönliche Gespräch aufgehoben werden.

Kurz gesagt: in der schriftlichen Bewerbung geht es vorrangig darum, die Kompetenzen darzustellen, damit der Arbeitgeber entscheiden kann, ob man die geforderte Qualifikation mitbringt. Im Vorstellungsgespräch geht es dann neben der Expertise auch um die Persönlichkeit, und die ist unter anderen durch meine Kinder geprägt. Außerdem sollten in einem Vorstellungsgespräch auch von beiden Seiten geprüft werden, ob die Rahmenbedingen (Arbeitszeit, Vergütung etc.) passen, und das ist dann auch der passende Ort um Einschränkungen bei der Arbeitszeit durch Abholzeiten in der Kita zu thematisieren.

Was ist aber nun, wenn dir ganz und gar unwohl bei dem Gedanken ist, deine Kinder einfach unerwähnt zu lassen? Wenn es sich sonst wie eine Lüge anfühlt (was es nicht sollte, siehe oben) dann hör auf deinen Bauch und schreib sie mit rein. Schreib aber möglichst im Anschreiben dazu, dass die Familienplanung abgeschlossen ist (sofern das stimmt) und dass die Betreuung gut geregelt ist (sofern das stimmt). Damit nimmst du dem Arbeitgeber die Angst davor, dass du durch eine weitere Elternzeit bald wieder ausfallen könntest. Oder dass du ständig fehlst, weil es niemanden gibt außer dir, der sich um die Kinder kümmern kann, wenn sie einmal krank sind. Entspricht beides nicht der Wahrheit, lass es lieber weg, denn Lügen haben kurze Beine und ein auf Unwahrheiten aufgebautes Arbeitsverhältnis macht meistens beide Seiten nicht glücklich.

Wenn du in deinem speziellen Fall nicht sicher bist, ob und wie du deine Kinder in deinen Bewerbungen erwähnen solltest, schreib mich gerne an oder hinterlass einen Kommentar. Oft kann ein kleiner Trick bei der Formulierung schon einen ganz anderen Eindruck hinterlassen und deine Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch steigen lassen.

Wie ist es bei dir? hast du deine Kinder bisher in Bewerbungen erwähnt? Wie sind deine Erfahrungen damit?

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