Vorurteile gegenüber Müttern auf Jobsuche

Ehrlich gesagt wäre es mir viel lieber, wenn ich sagen könnte: es gibt keine Vorurteile Müttern gegenüber! Mütter sind ja schließlich ganz normale Menschen und keine außergewöhnliche Spezies. Und dennoch werden sie bei der Jobsuche häufig benachteiligt. Deshalb möchte ich dir erklären, welche Vorurteile und Erwartungen manche Chefs und Personaler haben, wenn sie hören, dass du Mutter bist.

In Deutschland kann man es als Mutter eigentlich nur falsch machen. Jedenfalls gibt es immer jemanden, der es doof findet, wenn man arbeiten möchte („waaas? Dein Kind ist doch noch viel zu klein!“) oder aber auch wenn man noch nicht arbeiten möchte („waaas? Dein Kind ist doch schon alt genug für die Kita!“). Bei Vätern habe ich sowas noch nie gehört, aber das ist ein anderes Thema.

Arbeitgeber haben Vorurteile!

Auch Arbeitgeber haben ein bestimmtes Bild davon, wann eine Mutter in welchem Umfang arbeiten kann und sollte. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich selbst als Personalerin auch so ein Bild hatte, bevor ich Kinder bekommen habe. Einmal kam eine Kollegin zu mir und fragte, wie lange sie denn Elternzeit nehmen sollte. Ob ein Jahr zu viel wäre, sie wäre da unsicher.

Ich habe ihr gesagt, dass ein Jahr eigentlich eher die Untergrenze wäre, die meisten Mütter aber nicht wie geplant nach einem Jahr wiederkommen würden, sondern doch noch das zweite Jahr nehmen würden. Ob sie das nicht auch so machen wolle. Ich schäme mich heute dafür, dass ich sie nicht einfach in ihrem Vorhaben bestärkt habe, das sie zum Glück aber trotz meines doofen Kommentars durchgezogen hat.

Wie mir damals geht es vielen Arbeitgebern. Sie haben einige Erfahrungen mit Elternzeiten und Müttern im Allgemeinen und schließen von diesen Personen auf alle anderen. Wenn man da nicht ins Raster des „Üblichen“ passt (also zwei Kinder im Abstand von 2 bis 5 Jahren hat und jeweils etwa zwei Jahre Elternzeit nimmt), wird einem mit Misstrauen begegnet. Menschen mögen Vorhersehbarkeit, und das gilt auch und besonders für Chefs. Und wenn sich jemand anders verhält als der Mainstream, kann man ihn und sein künftiges Verhalten schlechter einschätzen.

Das alles muss man wissen, wenn man sich auf Jobsuche begibt. Denn auch wenn diese Vorurteile blöd sind, es bringt nicht viel, diese Gedanken beim Gegenüber zu leugnen oder zu ignorieren. Du kannst natürlich gezielt einen Arbeitgeber suchen, der solche Bedenken gar nicht erst hat. Das ist aber nur für diejenigen realistisch, die einen hohen Marktwert haben, also in einem gesuchten Bereich tätig sind.

Für alle anderen ist es zielführender, eventuelle Vorurteile, Ängste und Bedenken beim Arbeitgeber gleich von vornherein zu entkräften. Offensiver Umgang mit dem eigenen vermeintlichen Nachteil kann diesen sogar in einen Vorteil verwandeln! Schauen wir uns die möglichen Vorurteile einmal genauer an:

Vorurteil 1: Sie wird bestimmt bald wieder schwanger!

Diese „Befürchtung“ begegnet eigentlich allen Frauen im Alter zwischen 25 und 42. Sie ist umso größer, wenn du schon ein Kind hast, denn zwei Kinder gelten immer noch unbewusst als Standard. Wenn das erste Kind aber schon 6 oder älter ist, wird eher nicht mehr damit gerechnet, dass du noch eines möchtest. In diesem Artikel habe ich die „perfekte Kinderanzahl bei Bewerberinnen“ schon einmal beschrieben.

So kannst du damit umgehen: entweder verschweigst du, dass du ein Kind hast. Dann besteht zwar möglicherweise immer noch der Gedanke beim Gegenüber, dass du vielleicht schwanger werden könntest, aber er drängt sich nicht mehr so auf, wie wenn du dein Kind in der Bewerbung erwähnst. Alternativ würde ich nebenbei im Anschreiben fallen lassen, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Das muss natürlich nicht stimmen!

Vorurteil 2: Sie fällt bestimmt ständig aus, weil die Kinder krank sind!

Diese Befürchtung wird immer größer, je mehr Kinder du hast und je jünger diese Kinder sind. Ab etwa 12 Jahren geht man davon aus, dass kranke Kinder kein „Problem“ mehr sind, sprich: du weiter arbeiten kannst. Pro Kind stehen dir ja 10 Tage Betreuungszeit bei Krankheit zu, wenn du alleinerziehend bist sogar 20. Wenn dann drei kleine Kinder da sind, muss der Arbeitgeber mit 60 Ausfalltagen rechnen, das ist eine Menge. Wobei: auch wenn du „nur“ ein Kind hast und dieses schwer erkranken sollte, wirst du ja nicht nach 10 bzw. 20 Tagen wieder arbeiten können. Insofern ist die Kinderanzahl schon fast wieder egal. Deshalb besteht auch bei einem Kind schon die Sorge, dass du häufig wegen Krankheit ausfallen könntest.

So kannst du damit umgehen: Wie immer ist es eine Möglichkeit, die Kinder in der Bewerbung einfach nicht zu erwähnen. Wenn du es doch tust, hast du vielleicht einen Satz in deiner Bewerbung wie „Betreuung ist gesichert“. Wenn es andere Personen gibt, die die Kinder bei Krankheit betreuen können (Vater, Großeltern, Babysitter, Tante, Onkel…), solltest du das direkt mit angeben, also „Betreuung auch bei Krankheit gesichert“. Damit ist jedem Arbeitgeber klar, dass du trotzdem mal wegen kranker Kinder zu Hause bleiben musst. Aber die Sorge, dass das viele Wochen im Jahr sein könnten, wird etwas abgemildert. Sei bitte auch darauf gefasst, im Vorstellungsgespräch auf die Betreuungssituation angesprochen zu werden. Passiert natürlich nicht immer, aber manchmal.

Vorurteil 3: Sie will keine Karriere machen, sie hat sich ja für Kinder entschieden!

Puh, das finde ich immer noch schwierig zu erklären. Denn so richtig verstehen kann ich es nicht, schließlich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Trotzdem wird oft zumindest unbewusst davon ausgegangen, dass man seinen beruflichen Ehrgeiz mit der ersten Schwangerschaft verloren hat. Als könnte man nur eine Sache im Leben mit Herzblut machen.

So kannst du damit umgehen: Betone deine beruflichen Ziele und was du auch während der Mutterschutz- und Elternzeiten dafür getan hast. Hast du dich die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten? Fachbücher gelesen? Seminare besucht? All das beweist, dass du nicht „nur“ Mutter bist, sondern auch beruflich etwas erreichen möchtest. Und wenn du deine Ziele klar benennen kannst, glaubt man dir viel eher, dass du auch einen Fokus auf deiner Karriere hast und nicht ausschließlich auf der Familie.

Vorurteil 4: Sie ist nicht flexibel!

Auch so ein absurdes Vorurteil. Ich bin deutlich flexibler als vor der Mutterschaft. Schließlich muss ich meine Pläne permanent an die Launen und Phasen meiner Kinder anpassen. Arbeitgeber meinen aber häufig mit Flexibilität die zeitliche Verfügbarkeit. Sie denken, dass man nie wieder auf Dienstreisen gehen kann, Wochenendarbeit unmöglich ist und man auf keinen Fall auch nur eine einzige Überstunde leisten kann, wenn man Mutter ist.

So kannst du damit umgehen: Ich würde betonen, dass dank eines guten Netzwerkes gelegentliche Dienstreisen oder Überstunden problemlos möglich sind. Im Vorstellungsgespräch kann man auch gut erwähnen, wenn es einen gleichberechtigten Partner gibt, der natürlich auch in der Lage ist, sich um die Kinder zu kümmern. Trotzdem würde ich auch gleich fragen, wie oft das denn vorkommt. Denn wenn Dienstreisen oder (unbezahlte) Überstunden zur Regelmäßigkeit werden, musst du für dich abwägen, ob du das wirklich möchtest. Nach meiner Erfahrung werden Mütter aber einfach immer danach gefragt, auch wenn es im Joballtag so gut wie vorkommen wird. Der Arbeitgeber will gerne wissen, wie die private Situation aussieht, wie viele Betreuungspersonen da sind etc. Um aber nicht direkt danach fragen zu müssen und damit seine Vorurteile Müttern gegenüber offen legen zu müssen, fragt er lieber nach der Bereitschaft zu Dienstreisen.

Vorurteil 5: Sie ist unsympathisch!

Jetzt wird es noch verrückter! Studien haben gezeigt, dass Mütter auch dann benachteiligt werden, wenn sie nur eine kurze Elternzeit genommen haben und schnell wieder in den Beruf zurück gekehrt sind. Ich habe dazu schon mal einen Beitrag geschrieben. Ihnen wird scheinbar unterstellt, unsympathisch und karrierefixiert zu sein. Sie entsprechen nicht dem erwarteten Frauenbild und werden deshalb aussortiert.

So kannst du damit umgehen: zunächst einmal solltest du dir überlegen, ob du die Dauer deiner Elternzeit wirklich in der Bewerbung erwähnen möchtest. Denn egal, wie lange du zu Hause warst, es wird dir immer negativ ausgelegt. Im Vorstellungsgespräch kannst du dann gut darüber sprechen, dort hast du ja die Gelegenheit, das mögliche Vorurteil „unsympathisch“ direkt zu widerlegen. Wenn du deine verhältnismäßig kurze Elternzeit gerne in der schriftlichen Bewerbung erwähnen möchtest oder musst, kannst du entweder schreiben, warum du dich für diese Dauer entschieden hast oder darauf achten, im Tonfall der Bewerbung insgesamt sympathisch und nahbar rüber zu kommen.

Du kannst selbst entscheiden, ob du dich anpasst!

Es ist mir wichtig zu betonen, dass du natürlich alle diese Vorurteile getrost ignorieren darfst! Es sollte nicht deine Aufgabe sein, blödsinnige Erwartungen von Arbeitgebern zu korrigieren. Ich bestärke gerne jede Mutter, die selbstbewusst und stark auftritt und allen Arbeitgebern den (symbolischen) Mittelfinger zeigt, die sie nicht als individuelle Person sehen und kennenlernen wollen.

Aber ich weiß auch, dass es frustrierend sein kann, wenn man eine Bewerbung nach der anderen schreibt und immer Absagen bekommt. Obwohl die Qualifikation passt und man hoch motiviert ist. Deshalb finde ich es wichtig, sich klarzumachen, dass häufig nicht man selbst irgendetwas falsch gemacht hat, sondern der Arbeitgeber schlicht und einfach unfaire Vorurteile hat. Weil dir diese Erkenntnis außer einem besseren Gefühl aber nichts bringt, habe ich die Tipps zum Umgang mit diesen Vorurteilen aufgeschrieben. In der Hoffnung, dass du sie nicht brauchst. Und ich betone immer wieder, dass du deine Kinder auch einfach komplett verschweigen kannst, um den Vorurteilen auszuweichen. Das möchten aber viele nicht, was ich gut verstehen kann.

Sind dir schon einmal Vorurteile bei der Jobsuche begegnet? Fallen dir noch bessere Strategien ein als mir? Schreib mir an anke@karriereglueck.com und ich ergänze sie hier im Beitrag.

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