Warum du den Sunk-Cost Effekt kennen solltest

Eigentlich kommt der Sunk-Cost Effekt aus der Finanzwelt. Es geht dabei um „versunkene“ Kosten, die bei einem Projekt oder Geschäft bereits entstanden sind und die man nicht rückgängig machen kann. Das Geld ist also unwiederbringlich weg und verloren.

Wenn man nun eine Entscheidung für die Zukunft des Projekts treffen will, sollten diese Kosten eigentlich keine Rolle spielen. Denn sie lassen sich nicht mehr beeinflussen und sind damit – rational betrachtet – irrelevant für die weiteren Entscheidungen.

Am besten verstehen kann man das Prinzip am Beispiel von Aktienkursen: wenn ich eine Aktie besitze, die aktuell 60€ wert ist, sollte ich nur anhand des vermuteten zukünftigen Wertes entscheiden, ob ich sie verkaufe oder nicht. Erwarte ich steigende Kurse, sollte ich die Aktie behalten, rechne ich mit fallenden Kursen, sollte ich sie verkaufen. Für diese Entscheidung sollte es mir völlig egal sein, für welchen Betrag ich selbst die Aktie einmal gekauft habe.

Der Mensch ist nicht rational

Aber der Mensch ist nun mal kein rein rationales Wesen, sondern lässt sich viel mehr von Gefühlen steuern, als ihm lieb ist. Deshalb macht es für ihn eben doch einen Unterschied, ob die bereits getätigten Investitionen niedrig sind oder hoch. Hat man eine Aktie für 100€ gekauft, fällt es schwer, sie für 60€ zu verkaufen und den Verlust hinzunehmen. Man wird sie also länger behalten als sinnvoll ist und so immer größere Verluste machen.

Genau das besagt der Sunk-Cost Effekt: Hat man bereits viel in ein schlecht laufendes Projekt investiert, hält man länger daran fest, als bei niedrigen Investitionen. Dadurch verliert man immer mehr Geld.

Wie der Sunk-Cost Effekt berufliche Entscheidungen beeinflusst

Warum erzähle ich dir das? Weil auch berufliche Entscheidungen dem Sunk-Cost Effekt unterliegen können! Dieser Effekt kann dazu führen, dass gerade Hochqualifizierte sich schwer tun, eine berufliche Veränderung zu wagen. Sie haben viel Zeit, Geld und Mühe in ein langes Studium gesteckt und nun soll das alles umsonst gewesen sein?

Klar fällt es schwer, nach jahrelanger Mühe die Richtung zu ändern und gefühlt „alles umsonst“ getan zu haben. Das Gefühl kennen übrigens auch Menschen, die seit 10 Jahren in ein und derselben Firma auf eine Beförderung hinarbeiten und irgendwann realisieren, dass diese Beförderung vielleicht niemals kommen wird. Haben sie jetzt etwa 10 Jahre umsonst geschuftet? Oder sollten sie noch ein oder zwei Jahre durchhalten und dann klappt es bestimmt doch noch mit dem Aufstieg?

Nur die Zukunft kann man beeinflussen

Solche Entscheidungen zu treffen ist schwer. Die Vergangenheit kannst du nicht ändern, vielleicht hast du da tatsächlich Zeit für einen Job oder eine Ausbildung vergeudet, die dich nicht glücklich machen. Das, was du aber ändern kannst, ist die Zukunft! Wenn du einmal versuchst, ganz unabhängig von bisherigen Investitionen eine Entscheidung zu treffen, die dich zu deinem beruflichen Glück führt, vermeidest du weitere Zeitverschwendung durch Abwarten und Nichtstun.

Aber Achtung: dein Umfeld wird es möglicherweise kaum verstehen, wenn du nach einer langen Ausbildung oder vermeintlich kurz vor einer Beförderung plötzlich die Richtung änderst und aktiv einen neuen Weg einschlägst. Falls dir tatsächlich Gegenwind entgegen bläst, kennst du mit dem Sunk-Cost Effekt nun die perfekte Argumentationshilfe. Damit kannst du besorgten Eltern, Partnern und anderen Menschen erklären, warum deine Entscheidung sogar rationaler und vernünftiger ist, als weiter am falschen Job festzuhalten.

Denn so, wie man sprichwörtlich „schlechtem Geld kein gutes Geld hinterherwerfen soll“ sollte man auch schlecht investierter Zeit keine weitere wertvolle Zeit folgen lassen!

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