Wie deine Antreiber deine Jobsuche beeinflussen

Kennst du deine Antreiber? Vermutlich nicht, denn die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie Antreiber haben.

Was sind Antreiber eigentlich?

Grob zusammengefasst sagt das Konzept der Antreiber Folgendes aus: Jeder Mensch verfügt über innere Steuerungsmuster, die sich bereits in der Kindheit durch die Prägung der Bezugspersonen ausbilden. Diese Steuerungsmuster nennt man “Antreiber”, wobei mir das englische Wort “Drivers” besser gefällt, weil es eher auch für den (positiv klingenden) “Antrieb” steht und nicht nur für das (negativ klingende) “Getriebensein”.

Die Antreiber prägen unser Denken, Fühlen und Handeln und sind häufig recht stabil über die gesamte Lebensdauer. Sie wirken wie eine Art innere Stimme, die uns in nahezu allen Lebenslagen dazu bringt, uns genau so zu verhalten, wie wir es tun.

Jeder Antreiber kann positive und negative Auswirkungen haben, je nachdem, wie stark er in der jeweiligen Situation wirkt. Es gibt laut Theorie fünf Antreiber mit ihren jeweiligen Auswirkungen.

Welche Antreiber gibt es?

  • “Sei perfekt!”
    • Positive Ausprägungen (Beispiele): strukturiert, aufgeräumt, macht sorgfältige Analysen, ist gut vorbereitet, fällt faktenbasierte Entscheidungen, ist präzise.
    • Negative Ausprägung (Beispiele): verzettelt sich in Detailinformationen, schlechtes Zeit-Management, geringe Kreativität & Offenheit, engstirnig, kompromisslos.
  • “Streng dich an!”
    • Positive Ausprägungen (Beispiele): kreiert Handlungsalternativen und Optionen, ist flexibel und optimistisch, enthusiastisch und energiegeladen, integriert unterschiedliche Ansätze und Perspektiven.
    • Negative Ausprägung (Beispiele): Ergebnisse sind nie gut genug, Erfolge werden abgewertet, unübersichtlich und konfus, unklare Prioritäten, Grenzen der eigenen Kraft werden übersehen.
  • “Beeil dich!”
    • Positive Ausprägungen (Beispiele): erledigt viel in kurzer Zeit, ist fokussiert, effektiv, effizient, energiegeladen und motivierend, hat immer noch Kapazität, etwas Neues zu beginnen.
    • Negative Ausprägung (Beispiele): treibt andere zu sehr an, ist nie fertig, kommt schlecht zur Ruhe, hohe Fehlerquote, wichtige Dinge werden vergessen, erschöpft durch permanente Aktivität.
  • “Mach’s (mir) recht!”
    • Positive Ausprägungen (Beispiele): empathisch und ermutigend, fürsorglich, hilfsbereit, nette Gesellschaft, schafft für andere eine angenehme Umgebung, bietet Alternativen an, ist kompromissbereit.
    • Negative Ausprägung (Beispiele): schwach, beeinflussbar, oft überfordert wenn viele Ansprüche gleichzeitig da sind, konfliktscheu, wenig fokussiert.
  • “Sei stark!”
    • Positive Ausprägungen (Beispiele): aufmerksam und kontrolliert, selbst unter Stress ruhig, lässt sich nicht unterbrechen und ablenken, stellt klare Regeln auf und setzt Grenzen, strukturiert und klar.
    • Negative Ausprägung (Beispiele): erscheint rigide und von oben herab, kritisch, zeigt wenig Gefühle, geringe Empathie, wirkt kalt und unnahbar, hält sich oft zurück.

Wie kannst du deine Antreiber identifizieren?

Es gibt verschiedene Tests, die man machen kann, um seine(n) Haupt-Antreiber zu identifizieren. Häufig hat man aber schon beim Lesen der Beschreibungen ein gutes Gefühl dafür, welcher Antreiber bei einem selbst stark ausgeprägt ist. Wie ist das bei dir? Hast du schon eine Ahnung, welche Haupt-Antreiber du hast? Vielleicht fallen dir zu den anderen Antreiber auch Menschen aus deinem Umfeld ein, zu denen die Beschreibungen passen?

Als Beispiel für die mögliche Wirkung von Antreibern stell dir einmal folgende Situation vor: es ist 8 Uhr morgens und deine Kinder sind immer noch nicht angezogen. Spätestens um 8.30 Uhr müssen sie in der Kita sein und du hast um 8.45 Uhr einen wichtigen Termin. Je nach Antreiber könnte deine Lösungsidee für diese stressige Situation unterschiedlich ausfallen. Welche Denk- und Handlungsmöglichkeiten kommen dir vertraut vor?

  • “Sei perfekt!”: Egal wie spät es ist, die Kinder müssen ordentlich angezogen sein und ich muss mich noch schminken und ein gesundes Frühstück für die Kinder zusammenpacken. Dann kommen wir eben etwas zu spät.
  • “Streng dich an!”: Das schaffen wir! Die Kinder können im Auto schnell ein Knäckebrot essen, ich mache mir währenddessen die Haare und rufe nebenbei meine Kollegin an, dass sie den Termin schon mal vorbereiten soll.
  • “Beeil dich!”: Ich treibe die Kinder beim Anziehen an, das Frühstück fällt heute aus und ich fahre etwas schneller als erlaubt. Dann bin ich pünktlich.
  • “Mach’s (mir) recht!”: Die Kinder wollen noch etwas spielen, also bereite ich ein schnelles Frühstück für sie vor. Wenn ich ihnen beim Anziehen helfe und selbst auf mein Frühstück verzichte, schaffen wir es vielleicht noch rechtzeitig. Ich will ja auch meine Kollegin nicht hängen lassen, indem ich zu spät zum Termin komme.
  • “Sei stark!”: Ich sage den Kindern, dass sie in 5 Minuten angezogen sein müssen, dann gibt es Frühstück. Abfahrt ist um 8.15, wer dann nicht fertig ist, geht hungrig und im Schlafanzug in die Kita.

Wichtig ist: kein Antreiber ist gut oder schlecht. Alle Antreiber sind wichtig, weil sie uns zu unseren Handlungen motivieren. Stell dir mal einen Menschen vor, der keinen dieser Antreiber auch nur minimal ausgeprägt hätte. Was für ein Leben würde dieser Mensch dann wohl führen? Das ist im Grunde kaum vorstellbar. Antreiber sind also super, weil sie uns auch unterstützen, in Gruppen gut zusammen zu leben.

ABER: Wenn ein Antreiber sehr stark ausgeprägt ist, kann er uns im Weg stehen. Und das passiert gar nicht so selten! Ob ein Antreiber als einschränkend erlebt wird, hängt aber immer von der eigenen Empfindung ab, nicht vom absoluten Wert auf einer Skala.

Was haben Antreiber mit der Berufswahl zu tun?

Es gibt Berufsfelder, die sehr gut zu bestimmten Antreibern passen. Menschen mit den entsprechenden Antreibern geht dieser Beruf leichter von der Hand, weil sie die Erwartungen sozusagen schon aus sich heraus gerne erfüllen. Beispiele:

  • “Sei perfekt!”: Controlling, Reinigungskraft, Buchhalter
  • “Streng dich an!”: Möbelpacker, Verkäufer, Sportler
  • “Beeil dich!”: Sporttrainer, Tätigkeiten in Akkordarbeit, Lehrer
  • “Mach’s (mir) recht!”: Pflegeberufe, Stewardess, Serviceberufe
  • “Sei stark!”: Manager, Einzelunternehmer, Führungskräfte, Arzt

Wenn du deine(n) Hauptantreiber kennst, schau mal auf deine bisherigen beruflichen Entscheidungen: kannst du erkennen, an welcher Stelle dein Antreiber aktiv war? Hast du aktuell einen Job, der gut zu deinen Antreibern passt oder nicht?

Die Krux ist: wenn ein Antreiber sehr stark ausgeprägt ist, kann es ratsam sein, gezielt einen Beruf zu wählen, in dem dieser Antreiber keine allzu große Rolle spielt. Denn sonst könnte es passieren, dass man seine eigenen Bedürfnisse aus den Augen verliert.

Wenn zum Beispiel ein Mensch mit einem starken “Mach’s recht”-Antreiber als Pfleger in einem Altenheim tätig ist, könnte er dort dauerhaft unter Stress sein. Wenn er nämlich den Bewohnern gerne ihre Bedürfnisse erfüllen möchte (=es ihnen recht machen möchte), sein Arbeitsplan dafür aber nicht genügend Zeit vorsieht, muss er permanent entscheiden, WEM er es denn nun recht machen soll. Den Bewohnern oder dem Arbeitgeber. Oder er muss entscheiden, welchem Bewohner er nun seine Wünsche erfüllt. Er wird jedenfalls Schwierigkeiten haben, dem Anspruch seines Antreibers nachzukommen, es anderen recht zu machen und darüber womöglich seine eigenen Grenzen permanent überschreiten, in dem Versuch, doch irgendwie alle zufrieden zu stellen.

Antreiber und Jobsuche

Antreiber können auch dein Verhalten bei der Suche nach einem neuen Job beeinflussen. Das sind alles nur Beispiele, bei dir kann individuell natürlich eine ganz andere Auswirkung eines starken Antreibers auftreten.

  • “Sei perfekt!”: Du hast vielleicht Schwierigkeiten, authentisch aufzutreten und vermittelst den Eindruck, fehlerlos zu sein. Möglicherweise setzt du dich zu sehr unter Druck, im Bewerbungsprozess alles richtig zu machen.
  • “Streng dich an!”: Es könnte sein, dass du dazu neigst, es dir selbst schwer zu machen. Vielleicht suchst du dir einen zu anspruchsvollen Job oder du strebst nach etwas ganz Außergewöhnlichem und bist mit “normalen” Erfolgen nicht zufrieden.
  • “Beeil dich!”: Vielleicht schreibst du sehr viele Bewerbungen, ohne einmal innezuhalten und zu hinterfragen, ob du diese Jobs überhaupt machen möchtest. Möglicherweise bekommst du viele Absagen, weil deine Bewerbungen nicht ausreichend zu dir und deinen Fähigkeiten passen.
  • “Mach’s (mir) recht!”: Es könnte sein, dass du vor allem die Wünsche anderer mit deinen Bewerbungen erfüllen möchtest, aber wenig auf deine eigenen Bedürfnisse hörst. In Vorstellungsgesprächen neigst du eventuell dazu, wenig Fragen und Forderungen zu stellen.
  • “Sei stark!”: Möglicherweise erscheinst du in Bewerbungsprozessen sehr kontrolliert und eher unnahbar. Vielleicht fällt es dir schwer, zuzugeben, dass dich die Situation belastet oder unangenehm für dich ist.

Was heißt das jetzt für dich?

Du siehst, dass deine Antreiber potenziell in allen Lebensbereichen stark wirken können. Umso wichtiger ist es, die eigenen Antreiber zu kennen und sich gerade in Umbruchsituationen wie der Suche nach einem neuen Job den Stärken und Schwächen der eigenen Muster bewusst zu sein. Folgende Fragen kannst du dir dazu stellen:

  1. Finde heraus, welche Antreiber bei dir am stärksten ausgeprägt sind.
  2. Schau dir deinen bisherigen Berufsweg an: wie haben deine Antreiber diesen Weg mitgestaltet?
  3. Wenn du jetzt beruflich unzufrieden bist, inwieweit können deine Antreiber mit dafür verantwortlich sein, dass du in dieser Situation bist?
  4. Wie können deine Antreiber dich daran hindern, etwas zu verändern?
  5. Wie können deine Antreiber dir helfen, etwas zu verändern?
  6. Welche Berufe würden gut zu dir und deinen Antreiber passen?
  7. Welches Ziel würdest du anstreben, wenn du keine Antreiber hättest? Welches Leben würdest du gerne führen?

Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Entdecken deiner Antreiber! Gib mir gerne mal eine Rückmeldung, wie du deine berufliche Situation unter diesem Gesichtspunkt siehst und ob du neue Erkenntnisse gewonnen hast.

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